The Crab Experience – Seitwärts im Sauseschritt

von Redaktion • 22.3.2011 • Kategorie: BUGGYKITE & friendsHier bestellen!


Auf Fanø hatten wir die Möglichkeit, einen ungewöhnlichen Buggy zu testen. Der französische Buggy­designer Oliver Suire hat in den letzen Jahren die Idee eines seitwärts fahrenden Buggys umgesetzt und ihn auf den Namen „Crab“ wie Krabbe getauft. Zugegeben, die Idee ist nicht neu. Bereits Anfang der 90er-Jahre experimentierte der Kieler Stefan Wischnewski mit einer Konstruktion namens Strandkrabbe, bei der der Fahrer seitlich zur Fahrtrichtung saß, und für die er von der Zeitschrift Sport & Design Drachen im September 1993 eine Auszeichnung erhielt.

BUGGYKITE & friends
Eine ungewöhnliche Konstruktion mit zwei lenkenden Lee-Rädern

BUGGYKITE & friends
Auf Fanø zeigt „the Crab” überraschendes Potenzial

BUGGYKITE & friends
Gute Spurführung der Krabbe auch beim schnellen Anluven

Wie jeder andere Buggy besteht auch die neue Krabbe aus einem Stahlgerüst und drei Rädern; dabei ist die Räderwahl von Standard bis Moon jedem selbst überlassen. Der Pilot sitzt frontal zum Kite und im 90-Grad-Winkel zur Flugrichtung. Gesteuert wird über eine Trittplatte mit den Füßen, allerdings werden hier zwei Räder gleichzeitig gegenläufig bewegt. Das dritte Rad befindet sich im Rücken des Piloten und nimmt in Ruheposition das Gewicht des Kiters auf.

Auf geht’s

Im ersten Moment ist die Fahrt ungewöhnlich, da kein direkter Seitenhalt besteht und man intuitiv das Gefühl hat, leicht aus dem Buggy gezogen werden zu können. Nach den ersten Kilometern hat sich dies jedoch schnell gelegt und man wird mutiger und gibt Gas. Die Fahrt auf dem Halbwindkurs ist unproblematisch, der Buggy läuft der Drachenzugrichtung sauber hinterher und die beiden Front­räder bieten genug Seitenhalt. Dabei dient der Pilot als Hebel, denn je weiter der Radstand, desto stabiler läuft der Buggy. Der Vorteil der Konstruktion ist, dass sich die Zugkraft des Schirms optimal auf die vordere Achse verteilt. Wie beim gewohnten Dreiradbuggy fängt bei viel Zug das hintere Leerad an zu driften, wobei man immer kontrolliert gegenlenken kann.

Richtungswechsel sind denkbar einfach und erinnern an das Kitesurfen oder Landboarden. Es wird stark angeluvt und dann direkt in die Gegenrichtung umgelenkt. Ein Vorteil, denn dieses Manöver geht schnell und ist deutlich einfacher als eine Halse im Buggy. Je nach Können und Kite kann der Raumgewinn sogar beachtlich sein.

Echte Halsen sind demnach schwieriger, können aber gerade darum mit umso mehr Dynamik gefahren werden. Aus voller Fahrt kann der Buggy dafür durch hartes Anluven um 180 Grad geschleudert werden, um dann mit ordentlich Power und einem Kiteloop die Halse einzuleiten. Dabei ge­­staltet sich die Rückwärtsfahrt nicht so schwierig wie bei einem konventionellen Buggy, da man sich leicht zum Kite drehen kann. Für die Manöver braucht man etwas Gewöhnungszeit, um nicht die Orientierung bezüglich Windrichtung, Kite und Fahrt­richtung zu verlieren.

Leistung oder Spaß?

Auf dem Kreuzkurs macht der Buggy ebenfalls eine sehr gute Figur, da die Achse sauber dem Schirm hinterherläuft. Wir haben die Krabbe auf dem harten Fanø-Strand auf bis zu 60 Stundenkilometer beschleunigt und beim Überholen anderer verwunderter Buggyfahrer feststellen müssen, dass man im Krebsgang keineswegs langsamer unterwegs sein muss.

Für wen ist der Buggy nun gedacht? Nach unserem Empfinden ist die Krabbe einfach anders und bietet eine neue Art der Fort­bewegung. Das Fahren kann auf langen Strecken sehr entspannend sein, da der Pilot seinen Körper dabei nicht zu verwinden braucht, was einst schon die Parawing-Piloten aus den Pionierzeiten des Traction­kitens zu schätzen wussten. Ob die Krabbe sogar für den Renneinsatz taugt, können wir nicht beurteilen. Schnell ist sie, aber ob sie auf allen Kursen und bei allen Manövern mithalten kann, müsste sie zuerst noch be­­weisen. Wer die Chance hat, sie zu testen, sollte dies unbedingt einmal tun.

Text: Jan Hendrik Junker
Fotos: Götz Sommer

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