SPOT-LIGHT
von Redaktion • 17.11.2009 • Kategorie: SNOWKITE & friends • Hier bestellen!
Ich bin schon dermaßen aufgeregt wegen der nächsten Wintersaison! Warum? Weil Snowkiten einfach so viel mehr als Kitesurfen auf gefrorenem Wasser ist! Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Kitesurfen, besonders auf Wellen und wenn ich Downwinders und solche Dinge machen kann; aber es macht mich nie so süchtig wie das Snowkiten. Auf dem Schnee hat man einen richtigen 3D-Spielplatz, und es gibt so viel zu entdecken … und wenn man wie ich in Süddeutschland wohnt, dann sind die Schweizer Alpen natürlich der ideale Platz, um in die Berge zum Snowkiten zu gehen.
Die Alpen erkunden: Dominik Zimmermann weiß, wo es einen Weg hinauf gibt
Angekommen: Die Snowcamps bringen Euch zu bisher unbekannten Zielen
Eine riesige Spielwiese aus Schnee – für einen alleine ist dieser „Kuchen“ definitiv zu groß
Gewaltig: Die Natur zeigt beeindruckende Landschaften
Zu Fuß gehen? Hier wohl eher beschwerlich
Dom kommt auch ohne Skilift klar
Dom kennt die Ziele und liebt es, neue Snowspots zu erkiten
Dom auf dem Gipfel des Fibbia
Von da ganz unten komme ich her: Dom am Lautaret
Ungeahnte Möglichkeiten in der Bivio-Region
Patrick macht sich auf dem Hochwang über die Strapazen der Bergsteiger lustig
Am Bivio: Das Rocka-Bella-Team nach dem ersten Aufstieg mit dem Kite
Dank Doms Erkundungsdrang bekommt der Bernina ein ganz neues Gesicht
Die Wintersaison 2008/2009 verwöhnte uns mit viel Schnee, so viel hatten wir in manchen Regionen seit 25 Jahren schon nicht mehr. Die beiden Winter davor waren dafür auch für uns alle eine harte Zeit gewesen, und jeder dachte natürlich, die Erderwärmung sei der Grund. Ich kann mir denken, dass es damit zusammenhängt, aber genauso gut könnte uns die Klimaänderung ja sogar mehr Schnee im Winter bringen – wer weiß. Da heißt es: Positiv denken!
In den vorherigen Jahren mussten wir also die Spots immer abchecken, um auch nur einigermaßen gute Schneebedingungen zu finden. Jetzt hatten wir dagegen die freie Auswahl und unseren Abenteuern waren nur von Wind und Wetter Grenzen gesetzt. Und an der Stelle wird es wichtig: Eine gute Vorbereitung mit dem Internet bewahrt Euch meist davor, zur falschen Zeit am falschen Spot zu sein. Im Schnitt verbringe ich jeden Tag etwa eine halbe Stunde im Netz, um den optimalen Spot für die gerade herrschenden Bedingungen zu finden. Einige Windcharts zeigen die verschiedenen Winde auf den jeweiligen Höhenlagen; das ist wirklich hilfreich, denn häufig ändert sich die Windrichtung, je höherer man kommt! Also, es hängt nicht nur alles vom Glück ab, sondern auch vom richtigen Suchen im Internet!
Bernina
Nachdem ich den gesamten November und Dezember im Ozone-Hauptquartier in Neuseeland verbracht hatte, war ich um die Weihnachtszeit herum zurück in Süddeutschland. Meine Kumpel hatten zu der Zeit schon drei tolle Wochen Snowkiting hinter sich … Auf jeden Fall wurden die Bedingungen immer besser und zwischen Weihnachten und Silvester verbrachte ich vier Tage rund um den Berninapass, der mit Tonnen von Schnee bestens versorgt war. Ich kenne den Spot nun schon seit sechs Jahren und wusste daher genau: Je mehr Schnee es hier gibt, desto mehr gute Plätze kann man entdecken. Dabei schaffte ich es diesmal sogar, einige neue, mir noch völlig unbekannte Bergregionen zu ersteigen. Meine erste Tour lag rund um das Skigebiet Lagalb – im Grunde ein großer Berg von 2.700 Meter Höhe. War ganz schön tricky, denn ich musste den Gipfel von der Seite her nehmen, damit ich hoch genug kam, wenn ich hinter dem Berg in den Windschatten kam. Nur so konnte ich die Höhe nutzen, um mit dem wieder eingepackten Kite auf die andere Seite zu wechseln. Alles klappte prima und in einem winzigen Tal kreuzte ich gegen den Wind auf, um erneut auf die Vorderseite des Bergs zu kommen.
Dieselbe Tour habe ich später im Winter noch einmal gemacht, aber diesmal war der Wind stärker, sodass ich die 7 Quadratmeter große Frenzy FYX aufgezogen hatte. Ich schaffte es, den Berg direkt neben der Gondelbahn zu ersteigen. Diesmal war ich auch viel schneller und kam bis auf die Höhe des Skigebiets, wo ich dann meinen Kite in den Rucksack stopfte und herunter zum Ausgangsspot zurückfuhr. Ich glaube, ich war der erste Pilot überhaupt, der dort hinaufgekitet ist.
Lautaret
Zum Col du Lautaret reiste ich für die alljährlichen Snowkite Masters an. Ich war von den Schweizer Alpen her ja bereits an eine Menge Schnee gewöhnt, aber leider hatte der Col nicht so viel davon abbekommen. Die Basis war aber zum Snowkiten ausreichend. Zugegeben, ich war ja schon etwas verwöhnt und erwartete eine Menge, denn ich hatte dort im letzten Jahr fünf tolle Backcountry-Tage erlebt – und würde mich in diesem Jahr mit nur einem begnügen müssen! Aber einer ist besser als keiner, und ich beschloss, ihn wirklich bis zum Letzten auszunutzen. Auf der Eventseite war fast gar kein Wind, außerdem gab es dort zu viel Kites auf einer zu kleinen Fläche. Die Wolken zogen nach Nordwesten, also musste es einen Südostwind weiter oben geben. Das war perfekt, um in das Backcountry-Gebiet von Trois-Eveches zu gelangen: Ein riesiges Tal mit einer unglaublich großen Wanne am Ende, ringsherum hohe Berge zum Hinauffahren und hügeliges Terrain zum Spielen! Ich war ganz allein hier und für etwa eine Stunde ziemlich frustriert, bis ich endlich eine leichte Brise von hinten spürte. Ja, endlich, das war es! Ich packte den 11-Quadratmeter-Schirm aus und fuhr langsam an, loopte den Kite downwind und zog mich dabei uphill. In nur 20 Minuten hatte ich das Becken erreicht und spritzte den frischen Pulverschnee wie wild in alle Richtungen. Nichts kann dieses Gefühl übertreffen, wenn du der Erste auf frischem Powder bist. Und du weißt natürlich, dass deine Kumpel im Tal dich sehen und dir folgen werden. Also versuchst du, fast wie ein Hund, der alle Ecken seines Reviers markiert, alles umzupflügen, nur damit die anderen sehen, dass du schon da warst. Ich fühlte mich wie ein kleiner Junge, der einen viel zu großen Schokoladenkuchen ganz für sich alleine haben will. Das Gebiet vor mir war riesig, und ich hatte nur diesen einen Tag, um es zu entdecken. Ein Tag war aber bei Weitem nicht genug! Ihr könnt Euch denken, dass ich mein Bestes gab, und ich raste herum wie ein wilder Teufel, fuhr überall hinauf, packte oben den Kite ein und genoss den unberührten Pulverschnee bei der Abfahrt in vollen Zügen. Dann den Kite wieder auspacken, zum nächsten Gipfel kiten und so weiter. Und ich hatte bereits eine ganze Menge unberührten Schnees mit meinen Spuren markiert, als die anderen später am Nachmittag ankamen. Sie fuhren ein Race, aber die meisten Fahrer merkten schnell, dass der Wind für Trois-Eveches blies, und verließen den Kurs. Zusammen verbrachten wir noch einen herrlichen Tag im Backcountry und kamen schließlich erschöpft und halb ausgehungert zum Grillen am Spot an.
Hochwang
Anfang Februar kündigte die Vorhersage starken Südwind mit bedecktem Himmel am Nachmittag und Schnee in der Nacht an. Patrick von Unhooked.ch und ich beschlossen, uns nach Hochwang aufzumachen, einem kleinen Skigebiet mit drei Liften in der Nähe von Chur. Dort kann man entweder hochwandern oder einmal den Lift nehmen, bis man oberhalb der Baumgrenze im Kite-Gebiet ist. Hochwang ist eigentlich ein riesiger, nach Süden zeigender Bergrücken, der sich vom Skiort weg ungefähr 8 Kilometer nach Osten und weitere 3 Kilometer nach Westen ausdehnt. Wir fingen mit der 11-Quadratmeter-Frenzy-FYX und der 10-Quadratmeter-Manta-II an, aber je höher wir stiegen, desto mehr frischte der Wind auf, sodass wir auf die 6-Meter-Access-XC und die 7-Meter-Frenzy-FYX herunterstufen mussten, die uns voll hinaufzogen.
Wir kamen gerade in dem Moment auf der höchsten Spitze des Grats an, als eine Gruppe von Bergsteigern sich zur Abfahrt bereitmachte. Fullspeed flogen wir den Berg hinauf, landeten die Kites auf der Spitze und bevor die Gruppe überhaupt fertig war, hatten wir schon die Matten in den Rucksäcken verstaut. Sie waren natürlich entsprechend beeindruckt und stellten uns tausende Fragen. Und fünf von ihnen haben gleich am nächsten Tag eine Snowkite-Stunde gebucht!
Gotthard
Eines der unglaublichsten Abenteuer war für mich das Kiten im Gotthardmassiv. Der Gotthardpass ist eine der Hauptverbindungslinien zwischen den Nord- und den Südalpen, wird aber im Winter nicht geräumt und ist daher per Auto überhaupt nicht zugänglich. Wir haben eine Gondel auf den Gipfel eines nahen Bergs genommen, sind auf der Rückseite abgefahren und mit Fellen hinaufgewandert, um zu einem winzigen Pass zu gelangen, den wir dann auf der anderen Seite wieder in ein weites Tal hinuntergefahren sind. Von diesem Tal aus mussten wir noch einmal 30 Minuten einen anderen Pass hinaufwandern und diesen überqueren, um endlich in das eigentliche Gotthardmassiv zu gelangen.
Patrick und ich hatten jedenfalls Glück und in dem letzten Tal schon ausreichend Wind, der vom Berg herabblies. Ich ließ also meine 7-Meter-Frenzy-FYX los und arbeitete mich langsam den Pass hinauf. Der Wind kam jetzt aus allen Richtungen, aber endlich schaffte ich den Aufstieg, und zwar mit weniger Aufwand, als wenn ich mit den Fellen hinauf gewandert wäre. Und jetzt lag es vor mir: Das Gotthardgebiet! Die Aussicht war wirklich atemberaubend und ich konnte es kaum erwarten, meine Spuren in den frischen, halbmeterhohen Pulverschnee zu ziehen. Da war er wieder, mein alter Kleinkrieg mit dem Schokokuchen – aber diesmal war das Stück definitiv zu groß. Patrick war schon zum zweiten Mal am Spot und wir kiteten wie besessen durch die Gegend, bis wir uns an den Aufstieg auf den Fibbia auf 2.750 Meter machten. Das Gelände wurde ziemlich schwierig, mit tiefen Schluchten, zu tief, um sie zu queren, und mit Winden, die uns fast umzuwerfen drohten. Es wurde immer schwieriger, einen guten Weg zu finden, aber eine Stunde später standen wir auf dem Gipfel und genossen die unglaubliche Aussicht in alle Richtungen – und unseren wohlverdienten Snack inklusive warmem Tee. Wir waren wirklich mutterseelenallein in diesem ganzen Gebiet, niemand war zu sehen, total verrückt! Und das Beeindruckendste, wenn man auf der Spitze eines solchen Bergs steht und sich umschaut: Man sieht so viele neue Spots zum Erkunden, es will einfach kein Ende nehmen.
Bivio
Was kann man zu Bivio sagen? Selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole – es ist riesig! In anderen Worten: Mindestens zwei große Schokokuchen! Bivio ist die letzte Stadt im Norden des Julierpasses, der bis hinunter zum Silvaplanersee führt. Von der Straße aus gesehen kann man sich gar nicht vorstellen, dass man dort hinaufkiten kann, aber nordöstlicher Wind ist geradezu perfekt dafür. Man kann auch eine einfache Fahrt für den Lift nehmen, um nach oben zu kommen, falls der Wind unten nicht bläst, aber das ist normalerweise nicht nötig.
Von der Spitze des Skigebiets hat man also ein großes Areal nach rechts hinüber (Norden), wo man nach Lust und Laune herumrasen kann. Es ist am Anfang ziemlich steil, wird aber zunehmend flacher, eher hügelig. Außerdem kann man sich die Windstärke aussuchen: Weiter unten hat man weniger Wind, auf der Spitze bläst es ordentlich. Selbst nach stundenlangem Kiten wurde mir hier nie langweilig, weil ich so viele Freerides den Berg hinunter genießen konnte, mit meinem Kite im Rucksack. Auf der Rückseite muss man sich einen Weg durch die steile und felsige Oberfläche suchen, bis in ein Tal, das sich in die Lunghinpassregion hinein öffnet. Sobald man einmal diesen steilen Rücken geschafft hat, folgt man einer schneegefüllten Schlucht, die in das Tal hinein zu fließen scheint. Sie ist etwa 10 Meter tief, aber man kann dort Fullspeed fahren (übrigens mit dem verpackten Kite) und durch die Schneebänke und Windlippen der Schlucht carven. Sobald man da einmal drin ist, kommt man nur noch hinaus, wenn man bis ans Ende fährt.
Von dort umrundeten wir das Lughinmassiv, kletterten hoch hinauf und genossen den Ausblick auf den Silvaplanersee. Wir hätten sogar hinunterfahren können, aber zurück ging es nur per Bus, und die Bedingungen waren einfach zu gut: Wir wollten uns keine Sekunde Kiten entgehen lassen!
Es war bereits Anfang März und die Tage wurden schon länger. Als wir uns gegen den Wind auf den Weg zurück zum Auto machten, merkte ich plötzlich, dass Ronny hinter einer Bergwand verschwunden war. Ich konnte ihn nirgends entdecken und dachte schon, er habe seinen Kite irgendwo eingepackt, um die Abfahrt zu wagen. Der Wind blies gut, es war auch noch hell genug, und ich stellte mir vor, dass ich leicht auf den Gipfel des Bergs direkt vor mir kiten könnte. Ein Teil sah ziemlich felsig aus, aber ich entdeckte sofort eine Linie, die ich fahren konnte – und schon war ich unterwegs. Mit der 11er-Frenzy-FYX und ein paar Loopings war ich in 5 Minuten oben, und während ich noch den Kite landete, sah ich einen Mann mit roter Jacke und einem Helm, aber ohne Beine. Es war Ronny, der gerade seine Matte einpackte – im hüfthohen Pulverschnee, winkend und lachend! Wir konnten selbst kaum glauben, was wir gerade taten – es war natürlich offensichtlich gewesen, dass wir diesen Berg noch hinaufkiten mussten. Wir lachten und halfen uns gegenseitig beim Packen. Und während wir noch die Aussicht nach Bivio im Tal genossen, sahen wir plötzlich einen anderen Kite, der zu uns heraufkam. Es war Patrick, der unseren Spuren gefolgt war. Er war ganz schön flott unterwegs mit seiner 15 Quadratmeter großen Manta II. Also halfen wir auch ihm bei der Landung und beim Zusammenfalten, bevor es dann endgültig an den späten Downhillride zurück zu den Autos ging. Von hier stammt das Bild auf dem Gipfel. Rocka Bella – der Name des Bergs hätte am Ende eines solchen Tages wirklich nicht treffender sein können!
Dies waren nur einige wenige unserer Winterentdeckungen. Wir sind fast jedes Wochenende unterwegs, und so gibt es natürlich eine Menge zu berichten. Einige kleine Sahnestücke unseres großen Schokokuchens habe ich Euch kosten lassen, während wir noch weiter versuchen, ihn ganz zu verschlingen. Aber je mehr man isst, desto größer ist der Kuchen. Cool, oder?

















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Und das beste ist, dass es noch hunderte von unentdeckten Spots in den Alpen gibt die wir der Reihe nach mit unseren Kites erkunden werden! Noch besser, es hat auch genug für alle anderen die das auch wollen! Jawoolllo der Winter 2010 hat begonnen
Dom das wir ein geiler Winter, ich spürs
Gruss
Ronny