Weltrekorde am Himalaya

von Redaktion • 30.6.2006 • Kategorie: SNOWKITE & friendsHier bestellen!

KITE & friendsNachdem wir die beiden gemieteten Jeeps mit Vierradantrieb endlich beladen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Deosai-Plateau, dem höchstgelegenen und größten Bergplateau der Welt! Dieses westlichste Ende des Himalajas sollte angeblich ein ideales Revier fürs Snowkiten sein, eine Traumgegend auch, um die höchste Bergkette der Welt näher zu erkunden.


Ankunft am Zielort nach einigen Strapazen

Johann Civel erklimmt die Berge mit dem Kite

Die Teilnehmer und die Träger der Pakistan-Freeride-Expedition

Allrad-Transportfahrzeug: natürlich im Kite-Branding

Sigve Botnen, der norwegische Profi war beim Freeride dabei

Sogar Rails gab es auf dem Deosai-Plateau

Wasser holen auf angenehme Art und Weise

Mehr Bilder dieses erstaunlichen Abenteuers finden Sie unter www.flyozone.com und www.pakistanfreeride.com. Dort können Sie auch nachlesen, welche Kite-Events für Pakistan im nächsten Jahr geplant sind.

Unter www.walkaboutfilms.tv sehen Sie Nisar Maliks unglaubliche Dokumentation aus Pakistan und kurze Videoclips unseres Trips. Wenn Sie jetzt selber Lust bekommen haben, einmal das Land zu besuchen: Pakistan International Airlines (www.piac.com.pk) fliegt nonstop nach Islamabad; Infos für Touristen können Sie im Internet unter www.tourism.gov.pk finden.

Schwierige Wegstrecke
Mit der Hilfe ortsansässigen Holzfäller und ein paar unorthodoxen Methoden, gelang es uns, einige riesige Felsblöcke zu bewegen, die die Straße blockierten. So konnten wir noch etwas über den Sadpara-See hinaus fahren, bis auf mehr als 3.000 Meter. Dort wurden wir allerdings wirklich aufgehalten: Eine Lawine hatte wohl schon vor längerer Zeit schmutzigen Schnee und Geröll hinterlassen, die jetzt den Weg versperrten. Hier sollte unser erstes Basislager sein. Die Träger würden wir am nächsten Morgen um sechs Uhr zu einem frühen Start treffen. Diese harten Kerle legten dann trotz schlechter Ausrüstung und der schweren Traglast ein enormes Tempo vor. Sie schienen nie langsamer zu werden, selbst dann nicht, wenn sie schon fast im nassen, matschigen Frühjahrsschnee versanken. Wir dagegen bekamen langsam die Höhenluft und das Tempo zu spüren. Und so brauchte es nur eine leichte, konstante Brise, um Johann Civel und Sigve Botnen, die beiden Profikiter für Ozone, zu überzeugen: Es ist an der Zeit für ein leichteres Transportmittel. Sie kramten die 14er-Frenzys heraus und schauten dabei in die erwartungsvollen Gesichter der Träger. Alle benahmen sich wie aufgeregte Kinder zu Weihnachten, jubelten, klatschten und feuerten die Jungs an, als diese ihre Drachen einsetzten, um ein verschneites Flussbett hinaufzugleiten. Die ersten Snowkiter im Himalaja, jedenfalls soweit wir wissen. Was für ein cooler Start in unser Abenteuer.

Ankunft
Eine Wildhüterhütte sollte unser Zuhause für die nächsten zehn Tage sein. Wir erreichten sie nach neun Stunden schweren Marsches bis auf 4.000 Meter Höhe. Weil niemand mehr die Kraft hatte, unsere Terra-Nova-Zelte aufzubauen, wurde schnell das Essen verteilt und geschlafen. Schon bald war die Hütte von lautem Schnarchen und Essensgeruch erfüllt.

Der Morgen brachte einen herrlich tief blauen Himmel, und endlich konnten wir das atemberaubende Panorama genießen, während wir Chapattis und Tee genossen. Aber die Ruhe währte nicht lange. Bei Winden von zehn bis 15 Kilometer pro Stunde erwachte das Camp zum Leben. Johann war der erste, der sich an den Kite hängte. Ein kurzer Trip zum Wasserholen am Flussbett würde unserem Führer und unserem Koch, Ali Khan und Ali Jaqoob, einen langen Spaziergang in Turnschuhen ersparen.

Überraschungsgäste
Wenn man am entlegensten Punkt der Erde ist, erwartet man nicht unbedingt Besuch. Aber einige Soldaten eines nahen Hochgebirgslagers hatten unsere seltsamen Aktivitäten bemerkt und wollten uns befragen. Später kamen noch zwei Helikopter dazu, deren Piloten dachten, wir wären gerade mit dem Fallschirm gelandet. Nach einer kleinen Demo von Jojo und Sigve wurden wir zum Tee eingeladen. Und ich bin sicher, die pakistanische Armee wird demnächst bei Ozone anrufen, um einen Deal über eine Großlieferung auszuhandeln. Alle waren total begeistert!

Dabei hatten wir schon jetzt einen neuen Weltrekord im Snowkiting aufgestellt, denn niemand ist jemals so hoch gewesen wie wir. Und das Stimmungshoch der Jungs hielt den ganzen Tag an. Sie waren Könige für einen Tag.

Windmangel
Ich hatte versucht, ihnen zu folgen, fuhr aber zehn Minuten zu spät los. Der Wind flachte ab, und ich hing auf halbem Weg an einem matschigen Abhang fest, war ein bisschen sauer – aber ich bekam die Schnappschüsse, die ich brauchte Canon 200-Millimeter-Zoomobjektiv draufhalten und feuern, was das Zeug hält. Und außerdem dachte ich: Wir haben ja noch weitere neun Tage fürs Kiten. Aber nach ein paar frustrierenden Tagen ohne Wind, aber mit hohem Luftdruck, beschlossen wir, eine Skitour zu einem weiter entfernten Gipfel zu unternehmen, zum Chatung Peak. Sieben anstrengende Stunden später kamen wir zurück. Erstaunlich, wie lange es dauert, auf dieser Höhe ohne Wind und Kite irgendwohin zu kommen. Eine erste Skiabfahrt aus 4.800 Metern hatten wir aber gemacht, und waren eigentlich ganz zufrieden, obwohl unsere Gesichter und sogar die Innenseiten unserer Nasen von den Sonnenstrahlen und deren Reflektion auf dem Schnee knusprig gebraten waren. Während eine neue Variation aus Gemüse, Reis und Chapattis für uns zubereitet wurde, versprachen die veränderten Wolken mehr Wind für den nächsten Tag.

Endlich perfekt!
Ein kurzer Blizzard am ächsten Tag gab unselegenheit, Anoushka und Zoe in die Freuden des Kitens einzuführen. Felix übte und Kamil und ich versuchten, die ganze Action durch den Schneesturm hindurch aufzufangen. Als sich das Unwetter verzog, drehte der Wind hügelabwärts in eine günstigere Richtung, und diesmal wollte ich nicht wieder zu spät kommen. Auf der Höhe des Plateaus angelangt, strahlte einfach grandioses Licht durch die aufgelockerten Wolken, und wir erlebten alle eine fantastische Kite-Session. Felix, ein erfahrener Skifahrer, aber relativer Neuling im Kiten, war mit dabei, um die Freiheiten des Snowkitens auszuprobieren. Sigve fuhr allein voraus in die riesige, leere Weite; er sah aus wie ein Zwerg in einem gigantischen Amphitheater zwischen unglaublich großen Bergen. Es war, als ob wir ewig so weiterkiten könnten, mitten hinein in die ständig wechselnden Farben des Sonnenuntergangs. Aber was war, wenn der Wind abflauen würde und wir bei Minusgraden die Nacht hier draußen verbringen mussten? Wir widerstanden der gefährlichen Versuchung, denn obwohl wir alle Blizzard-Überlebenssäcke und eine Skiwanderer-Ausrüstung von Naxo trugen (mit Skibindungen, die an der Ferse zu lösen sind, damit man bergauf und über Ebenen gehen kann), hätte es doch keine Rettung gegeben, wenn wir nachts in der Kälte am Berg gestrandet wären. Auf dem Rückweg zum Camp waren die Girls super aufgedreht – sie hatten echte Fortschritte gemacht und ihre ersten Erfahrungen mit dem Powerkiting gesammelt. Sie wussten natürlich schon, dass sie noch viel über das Snowkiten lernen mussten, bis sie mit uns mithalten konnten. Dieser Spot war eigentlich besser für Profis und Fortgeschrittene geeignet. Es gab keine flachen Stellen für Anfänger. Aber sie hofften, das nächste Basislager in der Karakoram-Kette würde ihnen bessere Möglichkeiten bieten.

Gelungen und gefeiert
Jetzt brauchten wir erst mal was zum Trinken. Also wurde zur Feier des Tages eine wertvolle Flasche Whisky, die ich durch den Zoll geschmuggelt hatte, mit Genuss geleert. Sogar einer der Alis nahm heimlich einen Schluck (Trinken verstößt gegen ihre Glaubensregeln!). Die Träger genossen den Abend auf ihre Art, mit Gitarre spielen, tanzen, singen beziehungsweise heulen und wildem Händeklatschen ums Lagerfeuer. Was für eine verrückte Abschiedsfeier und gleichzeitig das Ende eines wirklich fantastischen Erlebnisses, das ich um nichts auf der Welt missen möchte.

Die tollen Möglichkeiten des Snowkitens werden gerade erst ausgelotet. Und wir wussten alle genau, dass wir hierhin zurückkehren würden, für mehr und für länger und bei besseren Windbedingungen! Aber auch dieses Abenteuer war noch nicht vorbei, wir mussten noch zurück nach Skardu zum Ausspannen und Planen, um noch tiefer in diese phänomenalen Berge vordringen zu können, denn das Team wollte weiter Richtung Norden in die Karakoram-Bergkette vordringen, über das verborgene Tal von Shimshal hinaus bis in das Land der Yaks

Text und Fotos: Gus Hurst

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